5:45 Uhr aufstehen. Mila wecken. Frühstück. Kita. Arbeit. So startet jeder Tag seit der Trennung vor zwei Jahren. Und früher endete jeder Monat gleich: Mit Panik am 25., wenn das Konto fast leer war und noch fünf Tage bis zum Gehalt fehlten.
Das war, bis ich im Januar anfing zu tracken. Nicht mit irgendeiner komplizierten App, sondern mit einem System, das in mein chaotisches Leben passt.
6:30 Uhr – Coffee-Shop-Drive-Through
Auf dem Weg zur Arbeit, Mila im Kindersitz. Früher holte ich mir täglich einen Latte für 3,80€. Macht 83,60€ im Monat – hatte ich nie ausgerechnet. Jetzt? Zweimal pro Woche, als bewusster Luxus. Spart mir 50€.
Ich tracke nicht, um mir alles zu verbieten. Ich tracke, um zu verstehen. Mein Netto: 1.890€. Kindergeld: 250€. Unterhalt: 0€ (lange Geschichte). Also 2.140€ für alles.
Die 3-Kategorien-Methode
Mein System ist simpel. Drei Spalten in einer Notiz-App:
- Fix (Miete, Versicherungen, Kita) – 1.240€
- Variabel (Essen, Kleidung, Haushalt) – Budget 600€
- Sparen (für Notfälle und Milas Führerschein später) – Ziel 150€
Bleibt: 150€ Puffer. Der macht den Unterschied zwischen Stress und "Okay, das geht".
12:30 Uhr – Mittagspause im Büro
Ich habe Nudeln von gestern dabei. Kostet mich vielleicht 1,50€. Meine Kolleginnen bestellen Sushi für 12€. Ich tracke nicht nur Ausgaben – ich tracke auch Nicht-Ausgaben. Klingt verrückt, aber es hilft.
Jedes Mal, wenn ich "Nein" zu einer spontanen Ausgabe sage, schreibe ich auf: "10,50€ nicht ausgegeben – Mittagessen". Ende des Monats sehe ich: 180€ gespart durch selbst kochen. Das motiviert mehr als jede Budget-App.
17:00 Uhr – Kita-Abholung und Supermarkt
Mila will Schokolade. Kostet 1,29€. Früher hätte ich einfach Ja gesagt. Jetzt denke ich: Wir haben noch zwei Tafeln zu Hause. "Morgen, Schatz."
Ist das geizig? Nein. Es ist bewusst. Weil ich weiß: Diese Woche habe ich 43€ von meinem 150€-Lebensmittel-Budget ausgegeben. Noch vier Tage bis Sonntag, also 107€ übrig. Schokolade geht locker. Aber warum Geld ausgeben, wenn wir welche haben?
19:30 Uhr – Mila schläft, ich rechne
Jeden Abend, zehn Minuten. Ich setze mich hin und trage den Tag ein. Heute: Tanken 45€, Supermarkt 28€, Kita-Bastelgeld 5€. Gesamt: 78€.
Dann schaue ich auf mein Wochenziel: Maximal 180€ ausgeben. Bin bei 156€ für sechs Tage. Bedeutet: 24€ für morgen. Passt.
Was sich wirklich geändert hat
Früher war der 25. des Monats Horror. Kontostand unter 50€, aber noch Tage bis zum Gehalt. Ich kaufte dann auf Rechnung oder borgte mir Geld von meiner Schwester.
Seit ich tracke – sechs Monate jetzt – ist das null Mal passiert. Nicht weil ich plötzlich mehr Geld habe. Sondern weil ich genau weiß, wo es ist und wohin es geht.
Ich habe sogar 680€ auf einem Sparkonto. Für Notfälle. Oder für Milas Klassenfahrt nächstes Jahr. Das erste Mal seit der Trennung fühle ich mich finanziell nicht komplett ausgeliefert.
Tracking ist kein Wunder. Es macht mich nicht reich. Aber es gibt mir Kontrolle zurück. Und als alleinerziehende Mutter ist Kontrolle über irgendwas verdammt viel wert.