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Einsteigerfinanzen
731 06.08.2025

Mit 17 und 950€ Ausbildungsgehalt – wie ich anfing, Geld zu verstehen

Von komplett pleite zu 380€ gespart – in acht Monaten mit Azubi-Gehalt

Tim Schröder
Mit 17 und 950€ Ausbildungsgehalt – wie ich anfing, Geld zu verstehen

1. September 2023. Mein erster Arbeitstag als Azubi im Einzelhandel. Gehalt: 950€ brutto, 789€ netto. Ich fühlte mich reich. Drei Wochen später war ich pleite. Richtig pleite – 12€ auf dem Konto, zwei Wochen bis zum nächsten Gehalt.

Das war mein Wake-Up-Call. Seitdem tracke ich jeden einzelnen Euro. Und nein, das ist nicht übertrieben.

7:00 Uhr – Bevor die Schicht startet

Ich bin Tim, 17, zweites Ausbildungsjahr. Mein Tag beginnt nicht mit TikTok, sondern mit meinem selbstgebauten Tracking-System. Eine einfache Notiz-App mit drei Zeilen:

  • Heute verfügbar: 67€
  • Bis Monatsende: 18 Tage
  • Sparziel Oktober: 23€ von 100€ erreicht

Dauert 30 Sekunden. Aber diese 30 Sekunden zeigen mir: Heute maximal 20€ ausgeben, sonst wird es eng.

9:30 Uhr – Pausenraum-Moment

Meine Kollegen holen sich beim Bäcker gegenüber Belegte. 4,50€ pro Stück. Ich habe mein Brot dabei – kostet vielleicht 80 Cent. Werde ich deswegen ausgelacht? Manchmal schon. Juckt mich das? Früher ja, heute nicht mehr.

Weil ich ein Ziel habe: Bis Dezember 500€ sparen für einen gebrauchten Laptop. Brauche ich für die Berufsschule, aber auch zum Zocken. Jeden Tag 4,50€ für Brötchen ausgeben würde bedeuten: 99€ im Monat. Das ist fast ein Fünftel meines Sparziels.

Die Wahrheit über Kleinbeträge

Niemand hatte mir gesagt, dass 2€ hier, 3€ da eigentlich das Problem sind. Nicht die großen Ausgaben. Ich tracke seit acht Monaten und die krasseste Erkenntnis? Ich gab 140€ monatlich für absoluten Müll aus:

Energy-Drinks 45€
Süßigkeiten 38€
In-Game-Purchases 25€
Sonstiger Kram 32€

Das war, bevor ich anfing zu tracken. Jetzt? Maximal 40€ für solchen Kram. Und die 100€ Differenz? Gehen aufs Sparkonto.

14:00 Uhr – Nach der Schicht

Ich will mir neue Sneaker kaufen. 89€. Früher hätte ich einfach gekauft. Jetzt öffne ich mein Tracking und sehe: Diese Woche schon 43€ ausgegeben, Budget ist 55€. Sneaker würden bedeuten: Kompletter Monat ruiniert.

Also wandern die Sneaker auf meine "48-Stunden-Liste". Alles über 30€ muss dort erst mal 48 Stunden warten. In 60% der Fälle will ich das Zeug dann nicht mehr. Spart mir locker 150€ im Monat.

18:00 Uhr – Gaming mit den Jungs

Discord läuft, wir zocken. Mein Kumpel Leon kauft sich für 20€ Lootboxen. "Gönn dir doch auch mal was," meint er. Früher hätte ich mitgemacht. Heute sage ich: "Nah, spare für Hardware."

Das Geile? Seit ich tracke und Ziele habe, fühlt sich "Nein" nicht mehr nach Verzicht an. Es fühlt sich nach einer Entscheidung an. Ich entscheide, dass mir ein Laptop wichtiger ist als digitale Skins.

22:00 Uhr – Tagesabschluss

Vor dem Pennen trage ich den Tag ein. Ausgegeben: 8,50€ (Mittagessen in der Kantine, Busticket). Das ist unter Budget. Die 11,50€ Differenz zu meinem 20€-Tageslimit? Zähle ich mental zu meinem Sparziel.

Was ich gelernt habe

Geld tracken klingt unsexy. Meine Freunde finden es weird. Aber ich bin mit 17 der Einzige in meinem Freundeskreis, der 380€ auf einem Sparkonto hat. Der Einzige, der nicht am 20. des Monats seine Eltern anbetteln muss.

Ich verdiene nicht viel. 789€ ist nicht viel für jemanden, der noch bei den Eltern wohnt. Aber ich verstehe jetzt, wohin es geht. Und das ist mehr wert als jede Finanz-App oder fancy Beratung.

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